KI-Agenten im Recruiting: Was ich in Neunkirchen gezeigt habe
· Michael Höller
Der Anlass
Am 15. September 2026 war ich bei den Digitalks on Tour der Wirtschaftskammer Niederösterreich in Neunkirchen eingeladen. Laut WKO-Rückblick waren rund 110 Unternehmerinnen und Unternehmer dabei. Mein Thema: KI-Agenten im Recruiting. Was kann ein Agent in der Personalsuche eines kleinen Betriebs übernehmen, und wo muss er aufhören?
Zeigen statt erklären
Ich habe keinen Vortrag über KI gehalten, sondern einen Agenten bei der Arbeit gezeigt. Als Ausgangslage diente ein Beispielbetrieb, offen als Beispiel gekennzeichnet: ein Metallbetrieb ohne Personalabteilung, eine offene Stelle, der Chef schickt eine Sprachnachricht. Mehr Briefing gibt es in vielen kleinen Betrieben nicht.
Der Agent hat in drei Phasen gearbeitet: den Auftrag verstehen, Anzeige und Kampagne vorbereiten, Bewerbungen im laufenden Betrieb abwickeln. Die ersten beiden Phasen liefen als Video, die dritte live. Vor dem Publikum ging eine Bewerbung ein. Der Agent hat den Eingang bestätigt, die Unterlagen abgelegt und eingetragen. Bewertet hat er sie nicht.
Die Grenze ist der Kern
Der wichtigste Moment war nicht, was der Agent kann, sondern wo er von selbst stehen bleibt. Die Kampagne war fertig vorbereitet, veröffentlicht hat er nichts und kein Budget ausgegeben. Er hat um Freigabe gefragt. Genau diese Grenze ist die Antwort auf die häufigste Sorge: den Kontrollverlust.
Den Einwand „Maschinen sollen nicht über Menschen urteilen“ habe ich selbst vor der Demo ausgesprochen, weil ich ihn teile. Der Agent übernimmt die Arbeit rund um die Bewerbung. Ob jemand passt, entscheidet ein Mensch. Das ist meine Haltung, und der EU AI Act sieht es ähnlich: KI-Systeme für die Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern gelten als Hochrisiko-Systeme, mit Pflicht zur menschlichen Aufsicht.
Was ich mitnehme
- Zeigen schlägt erklären. Eine Live-Demo ist das Risiko des Tages und zugleich das, was hängen bleibt.
- Der Einwand gehört vor die Demo. Wer die Sorge selbst anspricht, bevor sie jemand denkt, kann danach über die Grenze reden statt über die Angst.
- Ein Beispiel aus der Region wirkt mehr als eine Studie. Der Betrieb war erfunden, das Problem dahinter ist echt: Firmen ohne Personalabteilung, in denen die Chefin oder der Chef abends rekrutiert.
- Der Nachlauf entscheidet über den Wert eines Auftritts. Wer den Ablauf nachbauen wollte, konnte das Demo-Kit kostenlos anfordern. Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Applaus.
Folien und Demo-Kit
Die Folien sind öffentlich: canva.link/wko-260915. Das Demo-Kit mit Anleitung und den beiden Videos gibt es bei marketingwerk. Am 11. November 2026 zeige ich dieselbe Kette bei den Digitalks in Tulln. Weitere Termine stehen unter Vorträge und Medien.